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Predatory Publishing - was ist das?

Unter der Bezeichnung "Predatory Publishing" werden betrügerische Verlagspraktiken zusammengefasst. Predatory Journals sind Online-Fachzeitschriften, die eine wissenschaftliche Relevanz vortäuschen. Sie finanzieren sich durch Publikationsgebühren, die von den Autoren der eingereichten Beiträge gezahlt werden (sogenannte Article Processing Charges/APCs).
Für diese Kosten werden aber von den Raubverlagen keine Leistungen erbracht: Eine Qualitätskontrolle durch Gutachter aus der wissenschaftlichen Fachcommunity (Peer Review) wird nur vorgetäuscht, die Aufsätze werden nicht in den relevanten Fachdatenbanken nachgewiesen, und die dauerhafte Verfügbarkeit über die Webseiten der Raubverlage ist nicht gewährleistet.

Das gilt gleichermaßen für sogenannte Predatory Conferences bzw. Scheinkonferenzen: Die Organisatoren veranstalten dutzende von Fachkonferenzen zum selben Termin am selben Ort. Die Teilnehmer erhalten gegen eine Gebühr die Gelegenheit, ihren Vortrag vor einem größtenteils fachfremden Publikum zu halten.

Predatory Publishing vs. gute wissenschaftliche Praxis

Publikationen von Forschungsergebnissen in sogenannten Predatory Journals sind nicht automatisch von minderer wissenschaftlicher Qualität, sie laufen aber immer Gefahr, als nicht den Standards der wissenschaftlichen Qualitätssicherung entsprechend gewertet zu werden.

Die Gefahr des Publizierens in derartigen Journals besteht unter anderem in folgenden Punkten:

  • Fehlende Qualitätssicherung: Die Begutachtung von Forschungsergebnissen durch Fachwissenschaftler (Peer Review) ist aufwändig und zeitintensiv. Dieser Prozess stellt jedoch sicher, dass inhaltlich oder methodisch fragwürdige oder falsche Forschungsergebnisse nicht in der Fachwelt verbreitet werden. Raubverlage ohne Qualitätskontrolle ermöglichen die Publikation von falschen Ergebnissen und höhlen das Vertrauen in korrekte Forschung aus.
  • Die dauerhafte Verfügbarkeit und Zitierbarkeit sind nicht gesichert: Artikel in Predatory Journals können über Nacht verschwinden, wenn der Betrieb der Onlineplattform einstellt wird.
  • Mangelnde Sichtbarkeit: Veröffentlichungen in etablierten Verlagen sind in Bibliothekskatalogen, allgemeinen oder fachlichen Zitationsdatenbanken (z.B. Web of Science, PubMed, Scopus, Inspec) und Suchmaschinen (Google Scholar) nachgewiesen und auffindbar. Artikel in Predatory Journals sind dagegen häufig nur über allgemeine Suchmaschinen zu finden und werden von der Fachcommunity nicht wahrgenommen.
  • Schaden für die wissenschaftliche Reputation: Die Publikation in einem Predatory Journal kann die Reputation des einzelnen Wissenschaftlers, aber auch der Institution beschädigen, da implizit die wissenschaftliche Qualität in Frage gestellt wird.

Wie erkennt man Predatory Journals?

Es gibt weit über 100.000 wissenschaftliche E-Journals, und wöchentlich kommen neue dazu. Nicht jeder unbekannte Titel ist von schlechter Qualität oder das Produkt eines Raubverlags. Trotzdem sollte sorgfältig geprüft werden, wo Forschungsergebnisse veröffentlichen werden. Think. Check. Submit. bietet dabei einen guten Anlaufpunkt:

  • Negativlisten: Erscheint der Titel bzw. der Verlag auf einer der Listen mit Predatory Publishers (z.B. Stop Predatory Journals). Leider kann man sich nicht in allen Fällen auf die Bewertung der Listen verlassen, sie können jedoch als Warnsignal dienen, um weitere Informationen einzuholen (z.B. mit einer Internetsuche mit dem Titel des Journals und dem Suchwort "predatory").
  • Wurde man vom Verlag aktiv (z.B. per E-Mail) aufgefordert, Beiträge einzureichen, ohne dass bisher ein persönlicher Kontakt zu den Herausgebern bestand? Dies ist eine gängige Praxis von Raubverlagen, um Kunden zu akquirieren.
  • Sind die Gutachter und Herausgeber in der Fachcommunity bekannt oder verifizierbar? Geben die Mitglieder des Boards die Tätigkeit für die Zeitschrift auf ihren eigenen Webseiten an? Tauchen die Namen ggf. in mehreren fachlich nicht zusammengehörigen Zeitschriften auf? Predatory Publishers geben oft als Herausgeber oder Gutachter die Namen von Wissenschaftlern an, ohne ihre Mitarbeit bei der Peer Review tatsächlich in Anspruch zu nehmen, teilweise sogar ohne Wissen der Betroffenen.
  • Welche Metriken (etwa zur Messung von Zitationen) gibt der Verlag an? Sind sie etabliert und nachprüfbar?
  • Sind die Publikationskosten und Autorenrechte transparent?
  • Besteht der Verdacht, dass die Texte auf der Internetplattform maschinell erzeugt oder übersetzt wurden?
  • Sind die Angaben zum zeitlichen Ablauf des Peer Review nachvollziehbar? Ein Begutachtungsverfahren binnen weniger Tage ist nicht realistisch.
  • Wie ist die Qualität der veröffentlichten Beitrage in dem Journal einzuschätzen? Publizieren dort Wissenschaftler aus der eigenen Community?
  • Und zu guter letzt: Werden die Publikationskosten durch die SuUB übernommen? Die Open Access Förderpolicy der SuUB verbietet die Finanzierung von Beiträgen in Predatory Journals - also wird jede Anfrage entsprechend geprüft (Kontakt: publizieren@suub.uni-bremen.de, Tel. 59415).

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